Buchtipp: "Der Freund" von Sigrid Nunez

„Der Freund“ von Sigrid Nunez

Der beste Freund einer namenlosen Ich-Erzählerin stirbt unerwartet. Beide Schriftsteller, sie fast immer allein, er immer wieder verstickt in diverse Frauengeschichten und Ehen. Als dessen 3. Ehefrau sie um ein Gespräch ersucht, ahnt sie schon, dass das nicht angenehm wird. Aber was sie bekommt, übersteigt zunächst bei weitem ihre Kapazitäten. Sie soll den 80 kg schweren Doggenrüden namens Apollo „erben“, den die Ehefrau ohnehin nie wollte.
Und obwohl sie 1.) keine Hunde in ihrer winzigen Wohnung in New York haben darf und 2.) keine besondere Erfahrung mit Hunden hat, nimmt die den trauernden Riesen mit, um ich vor dem Tierheim zu bewahren.

Was jetzt folgt ist eine Geschichte nicht nur über Trauer, sondern über das Leben, Freundschaft, das Schreiben und wie die Zeit manches verändert und manches eben nicht. Und wie Trost und Heilung auf Wegen zu einem kommen, die man nicht vermutet hätte.
Ein schönes, weises und kluges Buch, das einem sanft die Augen und das Herz öffnet für die Wichtigkeit von Freundschaft und Verbundenheit. Man spürt den scharfen Geist und die Lebenserfahrung dieser wunderbaren Autorin auf jeder Seite.

„Writing books makes the miraculous possible: to be removed from the world und be part oft he world at the same time,“ so Sigrid Nunez bei der Verleihung des National Book Awards. Und ich würde das gerne abwandeln in: Lesen macht das Wunderbare möglich: sich aus der Welt zurückzuziehen und zugleich Teil der Welt zu sein.