"Die Topeka Schule" von Ben Lerner

Adam geht auf die Topeka-High-School und steht kurz vor seinem Abschluss. Er ist der Star der Debattierwettbewerbe und alle erwarten, dass er die Landesmeisterschaft gewinnt. Er ist beliebt, sensibel und intelligent – und voller Zweifel. Seine Mutter Jane ist eine berühmte feministische Autorin, die sich auf ihrem Lebensweg immer wieder behaupten musste, sei es gegen das Vergessen eines Kindheitstraumas, oder gegen die Schikanen der „Männer“, die sie seit Erscheinen ihres ersten Buchen offen oder heimlich anfeinden. Sein Vater Jonathan ist Psychologie und darauf spezialisiert, zu schwierigen (hauptsächlich) Burschen wieder Kontakt herzustellen. Auch er kämpft gegen die Dämonen seiner Familie, und muss sich dabei zusehen, wie er seine Familie ebenso verrät, wie er es selbst erlebt hat. Und dann gibt es noch Darren, einen Patienten der psychiatrischen Einrichtung in der Jane und Jonathan arbeiten. Ein verhaltensauffälliger Außenseiter, der eigentlich nur so sein will wie alle anderen. Als Adam ihn in seinen Freundeskreis zu integrieren versucht, kommt es zu einer Katastrophe.

Was ich an dieser Geschichte so besonders finde ist die Verbindung von Familiengeschichte und gesellschaftlichem und politischem Kontext. Hier werden so unterschiedliche, wie interessante Figuren gezeigt, und je mehr man liest, desto mehr sieht man nicht nur die Brüche in den Figuren, ihren Beziehungen und den Vorstellungen an die Welt.  Bei anderen Coming of Age Romanen sind die Eltern meist nur Statisten, hier sind sie echte Menschen mit eigenen Geschichten und  Problemen, die sehr wohl das Beste wollen, aber nicht immer erreichen.

Man erkennt auch die Brüche in der US-amerikanischen Gesellschaft, wie sie sich derzeit darstellt. Besonders interessant fand ich Adam als Vertreter einer neuen Generation, der mit den alten Männlichkeitsritualen nichts mehr anfangen kann und zunehmend verstummt. Vor allem die Passagen über die Debattierwettbewerbe, bei denen es schon lange nicht mehr um die besten Argumente, sondern alleine ums Gewinnen geht, zeigt deutlich die Wurzel der politischen Sackgasse, in der sich die USA – und nicht nur die – derzeit befindet.

In einer wunderbar reichen Sprache erzählt Ben Lerner vom zerbrechlichen Zusammenhalt einer Familie, von fragwürdigen Vorbildern und vom drohenden Zusammenbruch privater und öffentlicher Rede. Die Art, wie dabei das Private und das Politische miteinander verwoben werden, zeigt was herausragende Literatur kann!