
Mit einem kuratierten Sortiment, das bewusst auch Kleinverlage und literarische Entdeckungen ins Zentrum rückt, und einem besonderen Fokus auf Mehrsprachigkeit setzt das Buchcafé Melange Akzente in der österreichischen Buchhandelslandschaft. Im Interview mit dem anzeiger spricht Romana Ledl über die Bedeutung eines mehrsprachigen Angebots, die Rolle von Buchhandlungen als kulturelle Räume – und darüber, warum eine „Melange“ hier mehr ist als eine Kaffeespezialität.
„Beste Buchhandlung 2026“: Was bedeutet Ihnen der Preis persönlich?
Die Auszeichnung „Beste Buchhandlung 2026“ bedeutet uns im Buchcafé Melange unglaublich viel – nicht nur als Anerkennung unserer täglichen Arbeit, sondern vor allem als Bestätigung unserer Idee. Wir verstehen uns ja nicht nur als Verkaufsort für Bücher, sondern als lebendigen Kulturraum im 15. Bezirk. Dass genau dieses Konzept gesehen und gewürdigt wird, freut mich besonders. Und dass wir den Preis quasi zu unserem 10. Buchhandlungs-Geburtstag bekommen, den wir heuer im Herbst feiern werden, ist eine doppelte Freude.
Persönlich ist der Preis auch ein sehr emotionaler Moment: Hinter dem Buchcafé Melange stehen viele Jahre Engagement, unzählige Gespräche mit Kund:innen, Veranstaltungen, Lesungen und ganz viel Herzblut. Gerade in Zeiten, in denen gerade unabhängige Buchhandlungen wirtschaftlich oft unter Druck stehen, zeigt diese Auszeichnung, dass es sich lohnt, an Qualität, Individualität und persönliche Begegnung zu glauben.
Der Preis gehört für uns auch unserer Community – den Stammgästen, den neugierigen Leser:innen, den Autor:innen und allen, die diesen Ort mit Leben füllen. Ohne sie wäre das Buchcafé Melange nicht das, was es ist.
Was uns daran am meisten berührt, ist, dass hier nicht nur ein Ort ausgezeichnet wird, sondern eine Haltung: die Idee, dass Literatur verbinden kann – über Sprachen, Hintergründe und Lebensrealitäten hinweg!
Wie würden Sie die Philosophie des Buchcafé Melange beschreiben?
Unser Name „Buchcafé Melange“ bezieht sich nicht nur auf die Kombination von Buchhandlung und Café, sondern auch auf die Vielfalt der Herkünfte und Sprachen, die Wien ausmacht. Das Ziel war von Beginn an, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen nicht nur Bücher kaufen, sondern verweilen, lesen, diskutieren und sich inspirieren lassen können. Diese Verbindung von Literatur und Alltagskultur unterscheidet uns stark von klassischen Buchhandlungen.
Und wir glauben, dass Literatur nicht eindimensional ist. Deshalb spielt Mehrsprachigkeit bei uns eine zentrale Rolle – nicht als Zusatz, sondern als Selbstverständlichkeit. Unser Angebot bei den fremdsprachigen Büchern hat daher die Sprachen im Fokus, die in Wien zwar neben Deutsch am meisten gesprochen werden, wobei aber Bücher kaum bis gar nicht erhältlich sind, nämlich Bosnisch, Kroatisch, Serbisch und Türkisch.

Ein zentraler Punkt unserer Philosophie ist die sorgfältige Kuratierung. Wir setzen nicht auf Masse, sondern auf ein bewusst ausgewähltes Sortiment. Dabei legen wir besonderen Wert auf unabhängige Verlage, zeitgenössische Literatur, feministische und gesellschaftskritische Themen sowie auf Stimmen, die im Mainstream oft unterrepräsentiert sind.
Gleichzeitig achten wir darauf, dass unser Angebot zugänglich bleibt – für Vielleser:innen genauso wie für Menschen, die vielleicht erst wieder zum Buch finden möchten.
Darüber hinaus spielen Veranstaltungen eine große Rolle: Lesungen, unser Buchclub und verschiedene Grätzlveranstaltungen machen das Buchcafé zu einem Treffpunkt für die Nachbarschaft und darüber hinaus.
Letztlich geht es uns darum, eine Atmosphäre zu schaffen, die Literatur erlebbar macht. Das Café ist dabei kein Beiwerk, sondern ein wesentlicher Teil dieses Konzepts. Es schafft Zeit und Raum, um Literatur nicht nur zu konsumieren, sondern sich auf sie einzulassen – allein oder gemeinsam.
Welche Projekte und Ideen möchten Sie als Nächstes umsetzen – und wofür wollen Sie das Preisgeld konkret einsetzen?
Die Auszeichnung gibt uns nicht nur Rückenwind, sondern eröffnet auch konkrete Möglichkeiten für die Weiterentwicklung des Buchcafé Melange.
Ein Teil des Preisgeldes soll daher in die Infrastruktur fließen: bessere technische Ausstattung für Veranstaltungen, eine flexible Raumgestaltung und eine kleine Erweiterung im Innenbereich, um noch mehr Menschen Platz bieten zu können.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Förderung von Nachwuchsautor:innen und unabhängigen Stimmen. Wir planen, gezielt Kooperationen mit kleinen Verlagen und lokalen Schreibenden zu intensivieren und ihnen im Buchcafé eine Bühne zu bieten.

Auch im Sortiment möchten wir unsere Kooperationen zu unserem mehrsprachigen Sortiment erweitern und vertiefen.
Langfristig denken wir zudem immer über neue Formate nach, die über den klassischen Buchhandel hinausgehen, etwa thematische Leseclubs oder partizipative Projekte mit der Nachbarschaft.
Das Preisgeld verstehen wir also nicht als Abschluss, sondern als Investition in Zukunft und Weiterentwicklung – immer mit dem Ziel, das Buchcafé als offenen, lebendigen Literaturort weiter zu stärken, in dem sich alle wohlfühlen und immer wieder gerne vorbeikommen.
Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Buchcafé Melange.
Alle Preisträger:innen des Österreichischen Buchhandlungspreises finden Sie hier.